Unterweser - Fahranleitung

Bremerhavens Panorama - die Havenwelten, das neue Zentrum - so sieht man es, kommt man von Bremen angepaddelt. Und in der Ferne staffeln sich die Containerbrücken, die den Beginn der Außenweser säumen. Von Nordenham bis nördlich des Containerterminals befindet sich eine der größten Herausforderungen deutscher Seekajakreviere: starke Strömungen, sehr bewegtes Wasser besonders bei Wind gegen Strom und Wildwasser-taugliche "Eddies" - bald fußballfeldgroße Wirbel, wie man sie sonst nur in Canyons kennt - die künstlichen Einbauten zur Haltung der Fahrwassertiefe und der nicht enden wollende Strom der "Großen Pötte" - riesige Autotransporter und die größten Containerschiffe der Welt - erfordern höchste Konzentration und Sattelfestigkeit im Kajak oder OC.
Auf dem Weg zum KVU beginnen wir in Bremen - wenn man es beschaulich und schön haben will, beginnt man auf der Lesum. Guter Startpunkt ist TURA in Lesum. Nicht weit vom Bahnhof Burg - kann man einerseits den Wagen gut zurückholen, kann man mit dem Faltboot relativ schnell zum Fluss kommen und auch zum Parken des Wagens ist Platz.

Doch: Man kommt von Bremerhaven in einer Tide nach Bremen Lesum, aber man kommt nicht von Lesum (TURA) in einer Tide nach Bremerhaven... außer man strengt sich sehr sehr an.
Warum?
Flussaufwärts verlängert sich die Flut virtuell, da man mit der Welle mitschwimmt und das Hochwasser gegenüber Bremerhaven in Lesum ca.  2 Stunden später eintrifft. Man hat also locker 9h Zeit, wenn man in Bremerhaven 30 min vor Niedrigwasser startet und in Bremen-Lesum ca. 30 min nach Hochwasser ankommt.

Macht man es andersrum, fehlen einem 4 Stunden! - realistisch ist nicht mehr als Harriersand oder ev. Strohausen drin.

Die Lesum ist ein Fluss gesäumt von edlen Villen am hohen Ufer und von einer unendlichen Kette von Pontons an denen Bremens Freizeitflotte vertäut ist - Motor- und Segelboote aller Größen. Nicht unbedingt eine Zier für den ansonsten in einer schönen Parklandschaft verlaufenden Fluss, der Grünen Lunge Bremen-Nords. Außer TURA ist noch in Grohn ein Wassersportverein mit Kanuabteilung und Anleger (WV Grohn, nahe dem Vegesacker Ruderverein)

Abgeschlossen wird dieser endlose Seglerhafen durch das Lesumsperrwerk, letztes Querbauwerk bis zur Nordsee. Kurz vor der Mündung liegt seit einigen Jahren das Segelschulschiff Deutschland an der Grenze der Ortsteile Grohn und Vegesack. Auch hier ist ein Bahnhof in nächster Nähe - der Vegesacker Bahnhof. Allerdings ist es wohl nicht ratsam, an der Vegesacker Fährrampe anzulegen, es herrscht sehr dichter Fährverkehr. Wie weit man über die Anleger im Vegesacker Hafen per Kanu zu- und aussteigen kann, muss man prüfen, der Hafen ist häufig dicht belegt und er hat nirgendwo einen Slip - alles Spundwände.

Ab hier ist bis hinter Blumenthal das Ufer völlig verbaut und eine Werft oder Hafenanlage grenzt an die nächste. In Lemwerder, also auf der linken Weserseite befindet sich alsbald eine manchmal glitschige Betonrampe - hier haben die DJK-Wasserwanderer ihr Domizil. Der linken Uferseite sollten wir hier sowieso den Vorzug geben.

Bekannt sind die Lemwerderaner Kanuten vor allem mit dem Stedinger Rundkurs (jährlich im DKV-Programm ausgeschrieben) über Weser, Hunte, Motzener Kanal und Ollen. Ollen und Motzener Kanal sind strömungslos. Das Wehr an der Camper Brücke über die Ollen in Berne ist meist geschlossen (umtragen).

Abeking & Rassmussen, Lürssen Werft, ehemaliger Vulkan, Fassmer Werft, Rolandwerft, Hegemannwerft... Baumwollkämmerei, noch immer sind die Ufer geprägt von Industrie, vergangener und florierender. Großwerften im Niedergang, Mega-Yachtwerften in Blüte, Windkraftindustrie im Aufwind, Flugzeugindustrie im Abzug.

Diese Strecke ist nicht unbedingt die Traumstrecke für Kanuten. Spundwände. Kainlagen. Enges Flussbett. Sicher:seit die Häfen in Bremen Stadt kaum mehr ein Schiff sehen, auch die Neustädter Häfen recht leer bleiben, besteht der Schiffsverkehr zumeist aus Lastkähnen, Kümos und Sportbooten. Ab und an kommt auch die Oceana vorbei, der alte Schreiber-Dampfer auf dem Weg von und nach Bremerhaven.

Weiter .. nach der Fähre Motzen - Blumenthal beginnt auf der Oldenburger Seite die Idylle. Altwasser, Auwald und Gebüsch im Tidebereich, Sandstrände - Pausenplätze. Wenn wir von Bremerhaven heraufpaddeln und uns bis dahin kaum eine Pause gegönnt haben - hier findet man immer ein lauschiges Pausenplätzchen.

Gegenüber befindet sich Bremens "Nordsee-nächster" aktiver Kanuverein, die Rönnebecker Kanuten des KCR. Schönes Gelände am Geesthang Blumenthals, aber nicht unbedingt eine bequeme Möglichkeit, in die Weser zu kommen besonders bei Niedrigwasser.

Bald kommt die Fähre Farge Berne, deutlich sichtbar, die Kraftwerksanlagen und die Hohen Freileitungstürme. Auch hier gibt es in der Nähe wieder einen Bahnhof, seit kurzer Zeit ist die Frage-Vegesacker Eisenbahn wieder im Passagiergeschäft, und bald werden sogar durchgehende Triebwagen bis zum Hauptbahnhof Bremen fahren, also braucht man von Bremerhaven nach Farge nur einmal in Burg umsteigen. Bisher allerdings muss man auch in Vegesack den Zug wechseln - doch der steht abfahrbereit da, wenn der Zug aus Bremen kommt.

Am Fähranleger in Motzen liegt ein bei Bremer Paddlern beliebter Campingplatz - der auf der Julius Plate. Highlight ist sicher das Bremer Herbsttreffen auf der Julius Plate, ein recht erfolgreiches überregionales Treffen, bei dem das Kennenlernen der Unterweser sicher auch ein Hauptpunkt ist. Den Zeltplatz zeichnet aus, dass er einerseits Strandzugang zur Weser hat, verkehrsgünstig an der Fähre liegt und das ein Hotel mit Gaststätte und Weserterasse benachbart. Was für Salonpaddler.


Bunker Vallentin in Farge - dunkles Kapitel und monströses Überbleibsel des letzten Weltkrieges.

Er liegt auf der rechten Uferseite an der Stadtgrenze / Landesgrenze Bremens. Ab hier beginnt der liebliche Teil der Unterweser auch auf der Ostseite. Der alte Werfthafen des Bunkers hat mittlerweile einen Strand, der bei Hochwasser einen guten Startpunkt bildet.

Hier im ehemaligen Werfthafen (der Bunker Valentin war ja Ubootwerft in der Nazizeit) tummeln sich heute ab und an Seehunde, selbst ein Schweinswal wurde angeblich hier schon gesehen.

 

Zufahrt bis zum Deich am Bunker ist im Prinzip für Fahrzeuge gesperrt, (Einfahrt verboten, Anlieger frei), Nur die Nutzer eines Campingplatzes dürfen den Weg legal befahren. Will man dort einsetzen, muss man mit einem Bootswagen am Bunker entlang rollen, vor dem Bunker ist eine Möglichkeit, den Wagen abzustellen. Da die Bundeswehr nun ihr Lager im Bunker aufgegeben hat, ist abzuwarten, wie sich die Zufahrtsituation entwickelt - hoffentlich nicht noch negativer.

Von der Julius Plate oder dem Bunker Valentin kann man in einer Tide nach Bremerhaven kommen. Das geht recht bequem und es bleibt Zeit für einen Stop mit Pause auf Strohausen. Man sollte etwas vor Hochwasser starten (bis zu einer Stunde vor dem Kippen der Tide). Dann bleibt mehr Ruhe. In dieser letzten Stunde ist die Strömung nicht mehr besonders groß, so dass man schon Strecke machen kann.

 

Hier kommt die Hunte-Mündung mit ihrem Sperrwerk - weithin sichtbar durch die meist aufgeklappten Brückenteile. Die Hunte ist bis Oldenburg Tidengewässer und Schifffahrtsstrasse. Es sind nicht die besonders großen Schiffe, die bis Oldenburg fahren. Das Gewässer ist ja nicht besonders breit. Und tief. Aber die Tideströmung ist auch hier nicht zu verachten - es lohnt sich, den Gezeitenkalender für die Fahrtenplanung auf der Hunte bis Oldenburg zu Rate zu ziehen.

An der Mündung der Hunte befindet sich ein großer Yachthafen. Um zur Stadt Elsfleth zu kommen, muss man die Hunte einige Kilometer hinauffahren. Hier in der nähe mundet auch der rechte Seitenarm der Weser, der die Insel Harriersand vom Festland trennt. Auf der Oldenburger Seite befinden sich ebenfalls einige Verbindungsgewässer, die ursprünglich den Elsflether Sand abtrennten. diese sind allerdings nicht mehr durchgängig befahrbar.

Man kann bei entsprechendem Wasserstand auch die Nebenarme der Weser befahren, zu Beispiel einen kleinen Abstecher in den Seitenarm nach Warfleth, an dessen Ende sich die Kirche von Warfleth befindet oder man umrundet den unteren Teil des Elsflether Sandes.

Nicht besonders schöne Skyline des Hafens von Brake, der sich auch immer weiter ausbreitet.
Einer der Leuchttürme auf Harriersand
Die Stadt Brake am Weserufer. 
Einer der letzten Fischkutter in der Unterweser. 
Guntsiet - Personenfähre von Brake Stadtmitte zum Harriersand - hier ist auch ein Zeltplatz am Strand, Ziel Bremer Paddler

Tourtipp nebenbei: Mann kann vom Bunker Valentin oder von der Julius Plate auch einen Rundkurs um den Harriersand machen, dann empfiehlt es sich, erst durch den zum Teil sehr schmalen und bei Ebbe bald trockenfallenden rechten Seitenarm zu paddeln. Man Kann diese Tour auch erweitern zur Unterweser-8, dann setzt man das mit dem linken Seitenarm der Weser hinter der Strohauser Plate fort. Die Bremer empfehlen hier einerseits den Zeltplatz Harriersand bei der Personenfähre Brake-Harriersand, aber man kann auch den Biwakplatz auf der Strohauser Plate nutzen sollte man eine mehrtägige Tour planen. 

Von Bremerhaven aus ist die Unterweser-8 sogar besser zu machen, denn die Südspitze des Harriersand erreicht man dann bei absolutem Hochwasser, auf welchem weg auch immer. Hier fährt man vom KVU aus entweder mit dem Weserhauptstrom bis ans Südende des Harriersandes und wartet dort das Kippen der Tide ab, um dann durch die Seitenarme zurück zu paddeln, oder man nimmt erst die Nebenströme. Ist man zu früh gestartet, kann man auch auf der Strohauser Plate bei den Bauernhöfen am Biwakplatz pausieren, sollte aber die Restzeit bis zum Harriersand Südzipfel gut einschätzen. 

Fähre Sandstedt - Brake.

Eigentlich sollte es diese Fähre schon nicht mehr geben. Doch ein Fährschiff ist übrig geblieben, nachdem der Dedesdorfer Tunnel in Verkehr ging und pendelt nach Bedarf. Man kann auf beiden Seiten - wegen der Fährzufahrt - mit dem Auto an die Weser. und hier an den Sandufern ins Wasser, Ob man die Fährrampe nutzt, ist bei der geringen Fährfahrfrequenz ne mögliche Frage - legal ist es nicht. Man käme jedoch bei niedrigen Wasserständen ohne Schlickkontakt ins Wasser oder aus ihm heraus.

Ob noch Würstchenbuden als Pausenbelustigung vorhanden sind... eher nicht, allerdings die legendäre Fährwurst gibt es auf der Fähre noch - man sagt, manche fahren nur deswegen mit der Fähre.

Bald nach dem Fähranleger auf der Braker Seite zweigt etwas unscheinbar die Schweiburg, der linke Nebenarm, ab. Dieser Arm fällt nicht trocken, so dass man hier immer um die Strohauser Plate hinten herum fahren kann. Bitte hier die Naturschutzverordnung beachten.  

Die Bauernhäuser auf der Strohauser Plate - hier am nördlichen Punkt der Gehöfte befindet sich am Ufer der Biwakplatz für Kanuten. Insgesamt ist die Plate Vogelschutz- und Naturschutzgebiet. Der Strand der Insel ist allerdings nicht mehr Teil des Schutzgebiets - unterhalb der mittleren Hochwasserlinie verläuft die Grenze.

Lange Jahre war auf der Strohauser Plate ein Campingparadies der Wassersportler, besonders der Kanuten aus Bremerhaven, Nordenham und Elsfleth - alle hatten Vereinsbiwakplätze im Norden der Insel. Mitte der 80ger Jahre wollte Niedersachsen erstmals seine Schutzgebietsflächen ausweiten und machte die Strohauser Plate zum Landschaftsschutzgebiet. Alle Campingplätze wurden geschlossen. Auch unsere Biwakplätze mussten geräumt werden - tiefe Trauer hatten viele Mitglieder, denn so mancher Jugendliche hatte dort in seinen prägenden Jahre das naturnahe Paddeln und Zelten kennen gelernt.

Gerade das Argument natur-orientierte Sporterziehung hat seinerzeit dazu geführt, dass zumindest für Jugendfahrten eine Biwakmöglichkeit bei den Bauernhöfen geschaffen wurde. Als der ursprüngliche Landschaftsschutzgebietsstatus 2007 in ein Natur- & Vogelschutzgebietsstatus umgewandelt wurde, gelang es, den Biwakplatz für Kanuten allgemein zu erhalten und in der Verordnung zu manifestieren.

Der Strand vor unserem früheren Zeltplatz auf der Strohauser Plate. Oben in der Vegetationszone, dort wo wir bis in die 80ger zelteten, ist Betreten nun verboten. Unten am Strand kann man noch mal das Gefühl wie in alten Zeiten verspüren...

Früher: wenn man von Bremerhaven oder Nordenham auf die Strohauser Plate zu fuhr, sah man zuerst die Bake auf der Nordspitze und bald drauf eine markante Baumreihe höherer Laubbäume, die den bereich der alten Biwak-Plätze markierte - nördlich davon der Nordenhammer Platz, südlich davon waren WV Frohe Fahrt, KVU und die Elsflether Kanuten auf eng benachbarten Flächen zu Hause.

Heute ist dieser Bereich verwildert. Uferabbrüche sind ebenfalls merkbar - andererseits wird immer wieder Sand aufgespült, der beim Baggern der Fahrrinne anfällt.

Kommt man von Bremen, erreicht man die Plate meist schon bei recht niedrigem Wasserstand. Der Sandstrand ist dann schon von einem vorgelagerten Schlickgürtel vom Wasser getrennt. Nur im Bereich der Buhnen geht der Sand noch weiter herunter. Macht man jetzt noch Pause, bleiben einem "Schlickfüße" nicht erspart.

Bei Rechtenfleth sieht man das neue Dreptesperrwerk. Die Drepte ist ein Nebenfluss, der aus der Wulsbutteler Gegend der Geest entspringt und durch Hagen als Wiesenfluss Richtung Weser fließt. Er ist bepaddelbar, wird aber selten genutzt. über die Ausstiegsituation für die Drepte am neuen Schöpwerk ist noch nix bekannt. Zur Weser hin existiert durch das Schilf ein schmaler Fußpfad mit kleinem Sandstrand - in letzter Zeit allerdings von Anglern so besetzt, dass für Paddler kaum Zustiegsmöglichkeit.

Das Atomkraftwerk in Esensham ist irgendwie ein Fremdkörper und man verspürt doch irgendwie ein unheimliches Gefühl... Noch ein HighTech-Bauwerk befindet sich in der Nähe, vom Wasser aus sieht man es nicht, aber man überfährt es: den Wesertunnel. 

Und hier ist auch das Schöpfwerk und Siel der neuen Lune an der rechten Uferseite. DIe Lune wäre von hier aus bepaddelbar, auf der Binnenseite ist allerdings der Zugang zum Fluss mehr oder weniger abgezäunt. Ansonsten kann man von hier aus bis zum Bremerhavener Fischereihafen paddeln, theoretisch beim Kanuclub Bremerhaven wieder in die Unterweser einsetzen (aber nut bei Hochwasser)

 

Seit vielen Jahren prägen diese Türme der Radarleitkette die Unterweser von Bremerhaven bis Farge.

Bis hier fährt der KVU-Paddler vom Verein an der Geeste auf der rechten - Bremerhavener - Uferseite und wechselt dann bis zur Strohauser Plate und weiter meist auf die linke, Oldenburger Seite. Für die Strecke bis Bremerhaven ist das klar, auf der anderen - Nordenhamer - Seite ist kein Platz für Paddler, das Fahrwasser reicht bis an die Kaimauern der Hafenanlagen heran. Rechtsfahrgebot hin oder her, an der Luneplate entlang geht es außerhalb des Fahrwassers, und der Weg ist kürzer. Setzt man auf die Tideströmung, fährt man Nahe dem Tonnenstrich entlang aber immer weit außerhalb. 

Interessant ist hier wie das Fahrwasser im Fluss mäandert. Gerade auf der folgenden Strecke machen die Mäander weite Ausschläge. Für uns Paddler bedeutet das, dass wir etwas aufpassen müssen, von der Strömung nicht plötzlich ins Fahrwasser versetzt zu werden. Es ist nicht ratsam, plötzlich einem der großen Pötte vor den Bug zu laufen.  

 

Die Dedesdorfer Fähre ist seit der Fertigstellung des Wesertunnels Vergangenheit. Die Fährrampe kann immer noch als Startpunkt herhalten. Eine Zufahrt führt jetzt über den Deich, das alte Deichschart ist dicht. Damit sind auch die Würstchenbuden verschwunden, die in den 60ger, 70ger und 80ger Jahren beliebtes Ziel für die schnelle Nachmittagsfahrt KVU - Dedesdorf Strand waren. Die Dedesdorfer Wurst war häufig ein Grund, zumindest ein vorgeschobener, sich dort zur Wurst zu treffen. Heute ist nur noch das Lokal auf Stelzen im Vordeich aktiv - Aal und Fischgerichte. Der Strand ist immer noch da und nun weniger frequentiert als zu der Zeit als dort noch ein Außendeich-Campingplatz existierte. Auch dieser musste in den 80gern weichen. 

Nun folgt auf der rechten Flussseite die Luneplate. In den 60ger und 70ger Jahren galt, dass die Wiesen Blei-verseucht, schwefelverdreckt, die Milch der Kühe ungenießbar ist - die Bleihütte und andere Umweltverseuchende Industrie in Nordenham  hatte einen sehr schlechten Ruf, die Luneplate ebenso. Heute ist die Luneplate Ausgleichsfläche für das Containerterminal in Bremerhaven, die Vordeichsflächen geschützt. In die Entwässerungsarme darf man daher nicht mehr einfahren - schade, viele Wasservögel kann man da beobachten. Auch die Außendeichshöfe auf ihren Wurten sind abgebrochen worden - da hat Naturschutz erlebbare Geschichte kaputt gemacht. Wo kann man Wurten noch in Funktion sehen außer auf Halligen.

Hier beginnt Nordenham - am Strand liegt das Bootshaus des Nordenhamer WSV, Startpunkt der Tidenrallye, dann folgen Ruderclub, Jugendherberge Strandbad. Die folgende Strecke wird auf der Tidenrallye nicht gepaddelt. Sie ist besonders bei ablaufendem Wasser und Wind häufig unangenehm mit kurzen Wellen auf einer recht breiten Wasserfläche. Man paddelt man auf der Weser an Nordenham vorbei. Das Fahrwasser schwenkt nun vollständig auf das linke Ufer und fließt unmittelbar an den Kaianlagen entlang. Bis Blexen ist dies Ufer von Industrie gesäumt, Erz- und Kohleumschlag, Kabelwerke, Dünger, Titanoxid, Flugzeugteile... 

Unvermittelt steht im Fluss ein Dalben, der Duckdalben, er gehört der Lloydwerft in Bremerhaven. Bald danach kann man bei Niedrigwasser die Reste eines alten Lloyd-Dampfers - der alten Bremen .... . Dieses Schiff wurde am Ende des 2. Weltkrieges hier auf Grund gesetzt. Durch Priggen und Wracktonnen werden die Überreste markiert. Für ein Faltboot kann das Wrack bei entsprechendem Wasserstand zum Killer werden.

Links passiert man dann den Fähranleger Blexen - Wie erwähnt - hier sollte man auf der rechten Fahrwasserseite weit außerhalb des Tonnenstrichs bleiben - man achte auch auf die gelben Tonnen von der Blexen Reede, hier liegen häufig Schiffe vor Anker. 

Vor dem Paddler breitet sich nun die Wasserfront von Bremerhaven aus. Der "Radarturm", der die Empfangsanlagen der Richtfunkstrecken zu der Radarkette in der Außenweser trägt, ist Orientierungspunkt. Und auch das neue Atlantik-Hotel der Havenwelten. Etwas davor sieht man den roten und den grünen "Leuchtturm" auf den Molen der Geestemündung. Zum KVU muss man diese Einfahrt treffen. Weit draußen kann man die Columbuskaje (hier kam Elvis zum ersten mal nach Deutschland) und dahinter das Containerterminal mit seiner immer länger werdenden Stromkaje sehen.

Jetzt erfordert der Strom Aufmerksamkeit und volle Konzentration. Der Strom macht eine große Biegung. Besonders muss man auf schnelle Fahrzeuge wie das Lotsenversetzboot achten. Auch die Fähre von Blexen nach Bremerhaven, die Boote von Zoll und Wasserschutz, sowie Schlepper und natürlich Motorboote laufen hier oft quer zum Fahrwasser. 

 

Achtung: in diesem Bereich ist die Weser je nach Wasserstand und Strömungsrichtung (Ebbe oder Flut) immer anders und häufig tückisch: Presswasser und unangenehme kurze hohe Wellen, Kreuzseen, und wenn dann noch mit voller Fahrt ein Schlepper oder der Lotse kommt, dann halt Dich fest.... - Kentergefahr, Du wärst nicht der erste. Bedenke: Du bist auf einem extrem vom Menschen umgebauten Großgewässer - er hat einen seichten Fluss auf 11 bis 14m Wassertiefe ausgebaggert und innerhalb von 6 Stunden fällt der Wasserstand um 3,75 Metern oder er steigt innerhalb der nächsten 6 Stunden um die gleiche Höhe wieder - unterschätze nicht die Macht des Wassers und des Windes, der Dich nun direkt aus seiner bevorzugten Richtung trifft: Nordwest. 

Der Strom, der auf die Geestemündung zuschiebt und daran vorbei, hat schon manchen Fischdampfer und manch anderes Schiff in die Moleköpfe gedrückt; bei mittlerer Tide zieht eine oft unterschätzte Strömung und verursacht hier komplexe Verschneidungen. Es ist eine typische Prallhangsituation, nur die Dimensionen sind größer als in alpinen Flüssen, auch wenn unsere Ufer sehr flach sind. Selbst Motorbootfahrer haben Respekt vor dieser Kurve 

 

Mann kommt jetzt mit der vollen Tideströmung des ablaufenden Wassers an den Molenköpfen der Geestemündung an. Man nimmt die hohe Strömungsgeschwindigkeit unmittelbar wahr. Es ist empfehlenswert, jetzt dicht am Bremerhavener Ufer entlang zu paddeln. Man sei auch äußerst vorsichtig, denn von den vorbeifahrenden großen Schiffen ist man praktisch nicht wahrnehmbar und keiner achtet auf einen Paddler. Für die ist man einfach nicht da. Und die, die aus der Einmündung kommen, also aus dem Geeste-Vorhafen, haben gar keine Chance, auf die schnelle einen winzigen Paddler auszumachen. Rauscht da gerade das Lotsenboot aus der Mündung, das ist der Gau der Schiffsbegegnungen, der denkt immer, er ist allein. Tuuuut und Du musst weg sein.  

Geschafft, man ist nahe am Fähranleger der Weserfähre in der Geestemündung. Jetzt wird es ruhiger. Denkste. Plötzlich beginnt die Fähre am Anleger an zu blubbern. Das Geräusch der Motoren der Fähre ist einmalig (Schade: seit 1999 gibt es neue Schiffe, der Sound hat sich grundlegend ändern, das alte so markante Geräusch des charakteristischen Diesels ist nicht mehr). Jetzt aufgepasst: die Fähre legt ab und kommt direkt auf einen zu. Man bleibt rechts; aber achte darauf, was im Schleusenvorhafen von der Fischereihafendoppelschleuse abläuft. Wenn die Tore aufgehen, kann es ganz schön busy werden - auch ein Pulk Segler ist dann wie eine Bedrohung.

 

Ist man am Fähranleger vorbei, dann ist der meiste Stress vorbei. Nun ist überwiegend noch mäßiger Sportbootverkehr. Doch jetzt kommt die Strömung von vorn. Es geht ganz schön zäh voran. Zäher wird es noch unter der Kennedy-Brücke des Sturmflutsperrwerkes, das  Bremerhaven 1962 vor dem Absaufen bei der großen Sturmflut gerettet hat - es war gerade fertig geworden.

Dann kommt rechts das Morgensternmuseum und die Gästeanleger für Motorboote, links sind die Gebäude der Hochschule Bremerhaven und die Grachtenhäuser, davor die Reste des alten Wenke-Docks zu sehen, Rudimente aus der Gründungszeit Bremerhavens. Hinter der Hochschule liegen das Alfred Wegener Institut für Polarforschung und etwas weiter das Deutsche Schifffahrtsmuseum.

Der KVU ist nicht mehr fern. Die alte Geestebrücke markiert das Ende der Fahrt bis zum KVU. Wenn man da durch ist, schwimmt dahinter gleich der Anleger-Ponton des Kanu Verein Unterweser. Da hat man bei Niedrigwasser locker  5 Meter Kaimauer über sich. Eine Treppe in der Mauer endet auf halber Höhe, der untere Absatz ist völlig verschlickt. Wir können machen, was wir wollen, spätestens 3 Tage nach einer Reinigung ist das da wieder voll mit Schlick. Aber wenn der Anleger bei Niedrigwasser völlig unten ist, muss man sowieso die Eisenleiter nehmen. Vorsicht ... leider ist Salzwasser aggressiv selbst gegen verzinktem Stahl - immer wieder rosten die unteren Stufen durch und wir sind nicht in der Lage, immer umgehend gleich alles wieder völlig in Stand zu setzen (uns bezahlt ja keiner). 

Gefällt einem die Situation nicht, ist entweder vor der Brücke der Steg für die Motorbootfahrer (Bremerhavens Gästeanleger) eine Option, allerdings meist belegt, oder aber ein paar hundert Meter Geeste-aufwärts in der nächsten Biegung liegt der WV "Frohe Fahrt", quasi unser Schwesterverein, dessen Schwimmsteg ist mit einer Brücke zum Land verbunden, da versperrt allerdings eventuell ein Tor den Zu- oder Ausgang.

Draußen an der Weser unmittelbar hinter der Nordmole der Geestemündung ist Bremerhavens Stadtstrand, das nördliche Ende ist frei zugänglich, aber da ist bei Niedrigwasser auch mächtig Schlick davor.

 

Mancher hat sich gefragt, wie er sein Boot da rauf bekommt, wenn er alleine unten angekommen ist. Man hat 2 Möglichkeiten:  Entweder einer unserer Vereinskameraden ist da und gibt das Ladegeschirr raus, dann gibt es den letzten Trimm-dich-Akt: Kurbeln. Oder man hat Zeit. Dann lässt man das Boot liegen, nach 6 Stunden ist es von selbst oben.  

Hat man Kinder dabei, Achtung, die Kaimauer ist im Bereich des Krans ungesichert. Aber das ist es eben: wir sind der Verein mit dem kuriosesten Anleger. Übrigens: in den Jahren vor 1998 war es bei uns etwas chaotisch: Anleger marode, Bootshaus am Einstürzen.  Dann war alles anders. Bootshaus saniert, Anleger neu, Eingang zum Gelände neu.  Also, man konnte wieder vorbeikommen.  Inzwischen hat der Zahn der Zeit wieder mächtig genagt - alte Wunden zeigen sich wieder neu: der KVU steht auf Bremerhavens ältester Kaimauer... 

Übrigens, der Hauptbahnhof ist nicht weit. Man kann mit dem Bootswagen hinrollern. (Tipp für ökologische Weserpaddler) Parkplätze sind rar und auf dem Vereinsgelände selbst nicht vorhanden. Aber 10 Minuten Fußweg zum Schifffahrtsmuseum, Zoo am Meer, Havenwelten, Klimahaus und Auswanderermuseum, 1 Minute Fußweg zum Morgensternmuseum, historisches Museum zu Werft, Schifffahrt und Fischerei in Bremerhafen, sehr sehenswert + gegenüber vom Verein.  Zum Zelten haben wir eine kleine Wiese - Toilette und Dusche sind ebenfalls da. Und zum Einkaufen ist alles in der Nähe. Also - paddelt mal vorbei.....

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