Drachen aus der Asche

Der Kanu-Verein Unterweser e.V. Bremerhaven (KVU) ist 76 Jahre alt

Autor: Manfred Hilbers

Im Jahr 2003 feierte der Kanu-Verein Unterweser e.V. in Bremerhaven (KVU) sein 75-jähriges Bestehen in Anwesenheit vieler Gäste aus Sport und Politik. Dazu gehörten der Senator für Sport und Inneres des Landes Bremen Thomas Röwekamp ebenso wie der Oberbürgermeister der Stadt Bremerhaven Jörg Schulz. Aber auch der Präsident des LKV Bremen Werner Born und der Vizepräsident des LSB Bremen Frank Schildt waren dabei.

Der KVU Bremerhaven liegt im Zentrum eines attraktiven Gewässersystems an der Nordseeküste, gebildet von Geeste, Lune, Unter- und Außenweser, Hadelner Kanal und Elbe, das seinen besonderen Reiz durch die Gezeiten von Ebbe und Flut erhält. Seine Geschichte verlief mit einigen Höhen und Tiefen.

Gegründet  wurde der KVU 1928. In den 30-er Jahren betrieben die Mitglieder sowohl Wettkampfsport als auch Wandersport, u.a. mit Vereinsfahrten in Italien. 1944 brannte das Vereinshaus bei einem verheerenden Luftangriff ab, zusammen mit den Faltbooten und Holzkajaks.

1953 wurde der Verein von überlebenden und neuen Mitgliedern wieder aufgebaut. Nach dem Wiederaufbau wurde überwiegend Wandersport betriebn. Zur Besonderheit des KVU wurden die zahlreichen Küstenfahrten in aller Welt. Das begann mit Außenweser und Nordseeküste, Skandinavien, dem Mittelmeer und Nordamerika und führte zu den Philippinen, Neuseeland und in die Arktis. Im Laufe der Jahre paddelte ein Dutzend der Mitglieder u.a. in Grönland und Spitzbergen, viele mehrfach. 2003 fand zudem die 25. Himmelfahrts-Vereinfahrt in dänischen Küstengewässern statt.

Ende der 80-er Jahre brannte das Vereinsgebäude wieder ab, diesmal vermutlich als Folge einer Brandstiftung im Zusammenhang mit einem Einbruchdiebstahl. Es dauerte mehrere Jahre, bis das Gebäude wiederhergestellt war. Inzwischen hatte aber eine Reihe der Mitglieder den Verein verlassen, u.a. weil sie befürchteten, für den Bau in die Pflicht genommen zu werden. Das hielt sich zwar in Grenzen, weil der Verein gut versichert war, der Trend war aber lange nicht zu stoppen. Auch diverse Aktivitäten zur Mitgliederwerbung brachten keinen nachhaltigen Erfolg. Während der KVU in seinen besten Zeiten etwa 120 Mitglieder hatte, waren es Anfang 2000 nur noch 28. Die Auflösung des Vereins war schon absehbar, als sich Vorstand und Jahreshauptversammlung entschlossen, etwas völlig anderes zu versuchen.

Nach chinesischem Kalender beging man das Jahr des Drachen, als der KVU mit dem Drachenbootsport begann. Als wenn Bremerhaven darauf gewartet hätte, das Drachenbootpaddeln brachte den Durchbruch. Noch Ende 2000 konnte mit Sponsorenhilfe ein Drachenboot gekauft werden. Seit 2001 veranstaltet der KVU jährlich den nordCom Drachenboot-Cup, in diesem Jahr bereits zum 4. Mal, mit 48 teilnehmenden Mannschaften, das sind ca. 1000 aktive Teilnehmer.

Die eigene Drachenboot-Mannschaft, die KVU-Lighthouse-Dragons, gewannen in den beiden letzten Jahren die Basic-Trophy des DDV. Als Folge der verstärkten Aktivitäten am Vereinsgelände traten auch wieder Wanderpaddler ein. Anfang 2004 betrug der Mitgliederbestand 89, in vier Jahren wurde er also verdreifacht. 1999 gab es keine Jugendlichen mehr im Verein. Nun sind 22 der Mitglieder unter 18 Jahre alt. Für die Jugendarbeit wurde der KVU im Jahr 2003 auch mit dem Preis der Bremer Sportjugend geehrt.

Die Eigendynamik dieser Entwicklung wurde 2003 genutzt, um eine weitere Kanu-Bootsart einzuführen, das Outrigger-Canoe (OC). Der Landes-Kanuverband Bremen stellte einen Einer-Outrigger (OC1) zur Verfügung, um damit Erfahrungen zu sammeln, einige Mitglieder legten sich ebenfalls OC1-er zu. 2004 hat der KVU einen OC6 beschafft. Dieser Mannschafts-Outrigger dient mehreren Zielen: er steht den Drachenbootfahrern als zusätzliches Trainingsgerät zur Verfügung, wenn das Drachenboot unter- oder überbesetzt ist. Er soll weitere Mitglieder werben und schließlich eine integrierende Rolle ausüben zwischen den Wettkampfsportlern und den (Küsten-) Wanderpaddlern, die diese Entwicklung ja ursprünglich mal angeschoben haben. Ein OC6 ist auch für rauhe Gewässer geeignet, was seine Herkunft aus der Südsee erwarten läßt.

Etwas Südsee-Flair erwartet der KVU von der Outrigger-Regatta, die im Rahmen der Sail 2005 geplant ist. Es werden zwar keine Palmen gepflanzt, aber spannende Wettkämpfe in der Außenweser und vor dem Strand des Weserbads in Bremerhaven erwartet.

Ab und an versuchen sich die Kanuten des KVU an anderen schwimmenden Gefährten. Dabei ist auch das alljährlich stattfindende Seefest in Bad Bederkesa immerwieder beliebtes Ziel - und selbstverständlich besucht man gerne seine nächsten Nachbarn, wenn sie zum feiern einladen: Die Drachenboote des KVU werden dann auch schon mal mit Schlauchbooten getauscht und Lighthaouse-Ladies wie auch die kräftigen Kerls von den Lighthouse Dragons Hauen kräftig rein

Die Mitglieder des Kanu-Verein Unterweser sehen der Zukunft jedenfalls wieder optimistisch entgegen. Das 100ste Mitglied wird soeben aufgenommen. Die derzeitige Entwicklung stimmt uns jedenfalls sehr euphorisch!

Weitere Informationen unter www.kvu.der-norden.de und www.drachenboot.org.

Diese Seite wird nicht weiter aktualisiert, Sie ist entnommen aus einem Vereinflyer des Jahres 2004. Die letzten Entwicklungen seit 2004 sind unten auf der KVU-Hauptseite dargestellt.

Stand Herbst 2004 korrigiert 14.12.2007